Zwei Alltagsfragen stecken hinter diesem Thema: „Wie fasse ich viele Daten in wenigen Zahlen zusammen?" und „Wie berechne ich die Chance bei einem Zufall?"
Das sind zwei verschiedene Werkzeugkästen – deshalb ist der Block in zwei Teile geteilt.
✎ ohne Taschenrechner machbarfür BLF · GymnasiumOberschule
1
Daten beschreiben (Statistik)
Die wichtigsten Kennzahlen
MittelwertSumme aller Werte $:$ Anzahlder „Durchschnitt"
Mediander mittlere Wert der sortierten Listeteilt die Daten in zwei Hälften
Modalwertder am häufigsten vorkommende Wert
Spannweitegrößter Wert $-$ kleinster Wertwie weit streuen die Daten?
Beispiel · wöchentliches Taschengeld: 5, 8, 10, 10, 12, 60 (in €)
Median: Liste ist sortiert, bei 6 Werten die Mitte aus dem 3. und 4.: $(10+10):2=10$ → 10 €.
Warum zwei verschiedene „Mitten"?
Ein einziger Ausreißer (die 60) zieht den Mittelwert stark nach oben – 17,50 € beschreibt die Gruppe schlecht, fast alle bekommen ja weniger. Der Median (10 €) bleibt davon unberührt und passt hier besser. Deshalb schaut man oft auf beide.
Der Ausreißer zieht nur den Mittelwert – der Median bleibt stabil.
Der Boxplot – Daten auf einen Blick
Ein Boxplot zeigt fünf Kennzahlen: Minimum, unteres Quartil, Median, oberes Quartil, Maximum. Die Box enthält die mittleren 50 % der Daten, der Strich darin ist der Median, die „Antennen" reichen bis zum kleinsten und größten Wert.
2
Zufall berechnen (Wahrscheinlichkeit)
Woher kommt eine Wahrscheinlichkeit? Die relative Häufigkeit
Die relative Häufigkeit eines Ereignisses ist $\dfrac{\text{Anzahl der Treffer}}{\text{Anzahl der Versuche}}$. Führt man einen Zufallsversuch sehr oft durch, pendelt sie sich immer näher bei der Wahrscheinlichkeit ein – das ist das Gesetz der großen Zahlen.
Je mehr Würfe, desto näher liegt die relative Häufigkeit an der Wahrscheinlichkeit.
Die Grundidee (Laplace)
Sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, gilt:
$$P(\text{Ereignis})=\frac{\text{Anzahl der günstigen Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}$$
Eine Wahrscheinlichkeit liegt immer zwischen $0$ und $1$ (also 0 bis 100 %). Würfel: $P(6)=\tfrac16$, $P(\text{gerade})=\tfrac36=\tfrac12$.
Gegenereignis: $P(\text{nicht }A)=1-P(A)$ – oft der schnellste Weg, besonders bei „mindestens ein …".
Wie viele Möglichkeiten gibt es? (Kombinatorik)
Manchmal muss man erst die Anzahl der Möglichkeiten zählen – etwa für den Nenner bei Laplace. Die Grundregel (Zählprinzip): Bei mehreren Stufen werden die Anzahlen multipliziert.
ZählprinzipStufe für Stufe die Anzahlen multiplizierenMenü $3\cdot4\cdot2=24$
Anordnungen$n$ Dinge in eine Reihenfolge bringen: $n!$$4!=4\cdot3\cdot2\cdot1=24$
Eher am Gymnasium: Wählt man $k$ Dinge aus $n$ ohne Reihenfolge (z. B. beim Lotto), nutzt man den Binomialkoeffizienten $\binom{n}{k}$.
Mehrstufige Versuche: das Baumdiagramm
Passiert etwas in mehreren Stufen (zweimal ziehen, dreimal werfen), zeichnet man einen Baum. Für ihn gelten zwei Regeln:
Pfadregel 1Entlang eines Pfades wird multipliziert.(Produktregel)
Pfadregel 2Mehrere Pfade zu einem Ereignis werden addiert.(Summenregel)
Urne mit 3 roten und 2 blauen Kugeln, zweimal ohne Zurücklegen ziehen.
Auswerten
Beide rot (ein Pfad, Produktregel): $\tfrac35\cdot\tfrac24=\tfrac{3}{10}$.
Mindestens eine rot (Gegenereignis): $1-\tfrac{1}{10}=\tfrac{9}{10}$.
Ohne Zurücklegen ändern sich die Zahlen in der 2. Stufe (eine Kugel fehlt, der Nenner wird kleiner). Mit Zurücklegen blieben sie gleich. Kontrolle: Alle Pfad-Wahrscheinlichkeiten zusammen ergeben immer $1$.
Eher am Gymnasium:bedingte Wahrscheinlichkeiten und die Vierfeldertafel (zwei Merkmale in einer Tabelle) begegnen dir vor allem in der BLF-Vorbereitung.
Zufallsgröße & Erwartungswert
Ordnet man jedem Ergebnis eine Zahl zu (Gewinn, Augenzahl, …), ist das eine Zufallsgröße. Ihr Erwartungswert ist der Wert, der sich auf lange Sicht im Durchschnitt einstellt: jeder mögliche Wert mal seiner Wahrscheinlichkeit, alles zusammengezählt.